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11 Dec 2026 • 6 min read

Böser Gott vs. lieber Gott

Ist Gott im Alten Testament anders als im Neuen Testament?

  • Stefano
    Stefano

„Gott ist Liebe“ – was für eine schöne Wahrheit. Wenn wir unseren Glauben mit anderen Menschen teilen, halten wir gerne diese Flagge hoch. Wir erzählen von Jesus, wie er auf dieser Erde das perfekte Leben gelebt hat, wie er für Frieden und Nächstenliebe einstand und schließlich für seine Feinde starb. Und es ist gut, dass wir das tun! Ja, wir sollten für mehr Gelegenheiten beten, den Menschen in unserem Umfeld von der Liebe Gottes zu erzählen. Und doch: Unser Gottesbild muss täglich am lebendigen Wort eben dieses Gottes geschärft und geschliffen werden. Und da lesen wir teilweise ganz schön krasse Sachen, die so gar nicht zu einem liebenden Gott zu passen scheinen. Besonders die ersten 39 Bücher der Bibel bieten da eine große Fundgrube an Zündstoff. Mord und Totschlag, Gewalt in allen möglichen Facetten, ein Krieg nach dem anderen … Was ist da bitte im Alten Testament los? Wie ist das in Einklang zu bringen mit dem Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat? Hat Gott es sich über die Jahrhunderte hinweg vielleicht anders überlegt?

Auf keinen Fall. Wie könnte er? Eine der wohl großartigsten Wahrheiten über Gott ist, dass er sich niemals verändert. Das lesen wir im Alten wie im Neuen Testament. Wir wären arm dran, wenn er es täte! Ein durch und durch vollkommener Gott könnte sich schließlich nur zum Schlechteren verändern. Aber das löst unser Gewaltproblem noch nicht: Was stellen wir nun mit diesen zahlreichen Stellen in der Bibel an? Möglichst nicht darüber sprechen und schnell weiterblättern? Tun wir das, erfahren wir allerdings etwas später vom Apostel Paulus, dass die ganze Bibel zu unserer Belehrung geschrieben worden ist. Um aus dieser Zwickmühle herauszukommen, müssen wir uns das Problem also doch mal näher anschauen ...

Zunächst einmal ist es wichtig, jeden Abschnitt der Bibel in seinen jeweiligen Kontext zu setzen. Die Bibel ist schließlich eine zusammenhängende Geschichte, aus der du einzelne Begebenheiten nicht isoliert herausreißen kannst. Wenn du genau liest, wirst du bei vielen der „kritischen“ Stellen sehen, dass die Bibel schlicht und einfach die grausame Realität der Welt beschreibt, wie der Mensch sie in seiner Eigensinnigkeit selbst gestaltet. Die Grausamkeiten sind dementsprechend gar nicht von Gott verordnet gewesen, sondern zeigen vielmehr die furchtbaren Konsequenzen der Unabhängigkeit des Menschen von Gott.

Nun bleiben aber doch noch einige Stellen übrig, die dir vielleicht Bauchschmerzen machen: Warum fordert Gott im Alten Testament die Israeliten ganz explizit dazu auf, ihre Nachbarvölker zu vernichten? Das steht dort schwarz auf weiß und wir können (und sollten) nicht versuchen, diese Tatsache wegzudiskutieren. Du kannst aber wieder dasselbe Prinzip anwenden; nämlich den Zusammenhang bedenken, in dem das Ganze passiert ist. Sowohl verschiedene Bibelstellen als auch außerbiblische Quellen erzählen von grausamen Verbrechen, die damals unter den Heidenvölkern geschehen sind. Die Amoriter zum Beispiel haben sich einen Gott aus Stein gebaut, hinter dessen großem Maul ein großes Feuer loderte, und in dieses Maul haben sie als Opferritual Babys geworfen. Gott hat sich das mehrere Jahrhunderte angeschaut und Zeit gegeben, dass dieses Volk von seinen bösen Taten zu ihm umkehrt (1Mo 15,14.16). Ganz ähnlich war es bei Sodom und Gomorrha (1Mo 18) und auch bei Ninive. Doch es kommt der Zeitpunkt, an dem Gott das Böse richtet. Und auch das ist eine seiner großartigen Eigenschaften! Gott ist 100% Liebe und er ist gleichzeitig 100% Licht. Die Bibel sagt uns, dass „gar keine Finsternis“ in ihm ist; das bedeutet, es gibt bei ihm keinerlei Ungerechtigkeit.

Du brauchst nicht Jura zu studieren, um zu wissen, dass Gerechtigkeit für uns Menschen ein wahnsinnig wichtiges Gut ist. Wir merken besonders dann, dass sie fehlt, wenn wir selbst Opfer von Ungerechtigkeit werden. Ein ungerechter Richter hätte seinen Job absolut verfehlt. Nun ist es aber doch eigenartig, dass wir in unseren Schlussfolgerungen so häufig nicht konsequent sind: Wir haben beispielsweise überhaupt gar kein Problem damit, wenn ein Polizist Gewalt anwendet, um einen Verbrecher in Gewahrsam zu nehmen. Wohl kein vernünftig denkender Mensch würde von „Grausamkeit“ sprechen, wenn ein Amokläufer aus dem Verkehr gezogen wird, indem die Polizei auf ihn schießt. Wir haben als Menschen einen gottgegebenen Sinn für Gerechtigkeit. Nun haben wir uns mit der Zeit aber trotzdem an viele Sünden gewöhnt, sind gewissermaßen „abgestumpft”. Nicht so Gott! Er ist vollkommen heilig. Die Bibel spricht davon, dass Gott zu rein ist, um Böses zu sehen (Hab 1,13).

Und anders als wir Menschen ist Gott in seiner Gerechtigkeit absolut konsequent. Gott hat nicht etwa gesagt: „Ihr Kinder Israel dürft jetzt mal nach Lust und Laune die anderen Völker umbringen. Bei euch und euren Sünden drücke ich dafür ein Auge zu“, sondern das Volk Israel hat später, als es sich dem furchtbaren Götzendienst der Nachbarvölker angeschlossen hat, die gleichen Konsequenzen ihrer Sünden zu spüren bekommen. Das Urteil war dasselbe. Gott legt für alle denselben gerechten Maßstab an. Doch die ganze Bibel hindurch ruft Gott sowohl das Volk Israel als auch die Heiden dazu auf, sich von ihren Sünden zu ihm zu bekehren.

Was nehmen wir aus dem Ganzen nun praktisch für uns mit? Anstatt die Gerechtigkeit Gottes vor Ungläubigen zu verschweigen, weil sie uns irgendwie unangenehm ist, sollten wir diese wunderbare Eigenschaft Gottes nutzen, um unseren Mitmenschen die großartige Wahrheit des Evangeliums nahezubringen! Denn die vollkommene Heiligkeit Gottes zeigt uns überhaupt erst das Ausmaß unserer eigenen Sündhaftigkeit. Und das Prinzip ist im Alten wie im Neuen Testament gleich: Sünde hat Gericht zur Folge. Immer. Der Lohn der Sünde ist der Tod. Erst, wenn wir das vor Augen haben, kapieren wir, wie nötig wir einen Retter haben! Und dann bekommen wir im Neuen Testament offenbart, dass Jesus Christus das Gericht ertragen hat, das wir selbst verdient hätten; dass wir durch die Identifikation mit seinem Tod auch Teil an seinem Auferstehungsleben haben; und dass Gott dadurch eine ganze Ewigkeit lang mit uns Gemeinschaft haben kann, ohne seine Heiligkeit zu verleugnen.

Wird uns nicht vor diesem Hintergrund die Liebe Gottes noch viel größer ...?

„Denn ich, der HERR, ich verändere mich nicht.“ Maleachi 3,6

„Ja, wirklich, Gott handelt nicht gottlos, und der Allmächtige beugt nicht das Recht.“ Hiob 34,12

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