12 Sept 2026 • 7 min read
Christ und Karriere
Wo führt deine Karriereleiter hin?
Stefano

Aktenkoffer gepackt, Krawatte – oder Kostüm – gerichtet, rein in den Firmenwagen und der Tag kann beginnen. Du fühlst dich schon ein bisschen wichtig; schließlich warten große Verhandlungen und diskussionsreiche Meetings auf dich. Am Ende des Tages springt eine nette Portion Ansehen dabei für dich raus und die monatliche Gehaltsabrechnung erledigt gewissermaßen den Rest. Da nimmt man schon mal lange Arbeitstage in Kauf. Du bist schließlich jemand – und du kannst noch mehr werden. Du hast große Pläne und Ziele. Ist doch nichts Schlechtes, oder?
Ich weiß nicht, was deine Traumvorstellung von deinem beruflichen Leben war (oder ist), aber vielleicht sind dir diese Gedanken nicht ganz fremd. „Moment“, sagst du jetzt vielleicht, „ich bin aber auch noch Christ, das ist mir auch wichtig!“ Klar, das Glaubensleben soll natürlich nicht vergessen werden: Du liest jeden Morgen, wie es sich gehört, dein Andachtsbuch und vor den Mahlzeiten betest du. Am Abend dankst du Gott dann selbstverständlich noch für den Segen, den er den Tag über geschenkt hat, und bittest ihn, dass er dich doch auch bei der nächsten Beförderungsmöglichkeit nicht vergisst …
Das ist jetzt alles etwas überspitzt und plakativ ausgedrückt, aber du verstehst sicher den Punkt, um den es hier gehen soll: Wir Christen haben heutzutage oft ein ziemlich verzerrtes Bild von einem gottgefälligen Leben. Ein guter Job, ein schickes Haus, dreimal im Jahr in Urlaub fahren – nichts davon ist an sich böse. Und doch müssen wir uns als Nachfolger des Herrn Jesus aufrichtig fragen: Was ist das wahre Lebensziel, das der Herr uns vorstellt? Wenn wir die Bibel aufschlagen, begegnen uns manche Passagen, die wir lieber schnell weiterblättern, weil sie nicht so ganz mit unserer eigenen Lebensvorstellung kompatibel sind. So sagt der Herr seinen Jüngern sehr deutlich: „Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Lukas 16,13).
Der Mammon, das ist ein Begriff, der uns nicht mehr so geläufig ist, aber er beschreibt einfach den irdischen Besitz, also das Materielle, in das man als Mensch hinein investiert. Und Jesus stellt unmissverständlich klar: Es ist NICHT möglich, das Erlangen materiellen Besitzes als Lebensziel zu haben und gleichzeitig ein Leben zur Verherrlichung Gottes zu führen. Er sagt nicht etwa, dass es irgendwie schwierig werden könnte und du dir dann eben mehr Mühe geben musst, sondern er macht deutlich: „Ihr KÖNNT NICHT.“ Damit sagt er eigentlich indirekt: Wenn du dem Irdischen (und darin inbegriffen auch deiner Karriere) die höchste Aufmerksamkeit schenkst, dann verachtest du in der Konsequenz Gott selbst. Anders ausgedrückt kann man vielleicht sagen: Du kannst nicht dich selbst UND Gottes Ziele verwirklichen. Es wird entweder auf das eine oder auf das andere hinauslaufen. Das ist eine sehr krasse Aussage. Aber es ist zunächst mal ganz wichtig, dieses Prinzip festzuhalten, weil es etwas ist, das so gar nicht zu unserem Zeitgeist passt.
Die Pharisäer haben damals gehört, was der Herr Jesus gesagt hat. Sie gehörten in der Regel zu den Reichen und sahen sich ganz klar als die von Gott Privilegierten. Ihnen sagt Jesus: „Gott aber kennt eure Herzen.“ Gott sah, wie habsüchtig sie waren und wie sie innerlich an den irdischen Gütern hingen, anstatt sich für Gottes Interessen einzusetzen. Und so ist es auch heute noch. Gott sieht, was in deinem und meinem Herzen ist; er sieht, was du und ich für Karrierepläne haben, in welchen „Wirtschaftshimmel“ wir so gerne kommen möchten.
Aber warum gibt’s diese „Kompromisslosigkeit“ von Gott? Kann man nicht vielleicht doch beides haben, wenn man ambitioniert ist? Nein, kann man nicht. Und eigentlich kennen wir aus unserer menschlichen Erfahrung schon genug Beispiele, die uns klar bestätigen: Du kannst nur eine richtige Karriere haben. Denk mal an Olympiateilnehmer: Diese Männer und Frauen arbeiten jahrelang wie Sklaven, haben immer den kommenden Wettkampf vor Augen, stehen jeden Tag ganz früh für das Krafttraining auf, verzichten auf eine Menge leckeres Essen, auf Alkohol sowieso … – und wofür das alles?
Nur um diesen EINEN Moment zu erleben: auf dem Siegerpodest stehen, die Faust in die Luft strecken und eine Goldmedaille in Empfang nehmen! Wenn du einem von ihnen sagen würdest: „Hey, willst du nicht vielleicht noch in mein neues Immobilien-Business mit einsteigen? Olympia kannst du ja trotzdem noch nebenbei machen!“, würde er dich völlig entgeistert angucken und für verrückt erklären. Einfach, weil es absolut nicht möglich ist, egal, wie attraktiv die Vorstellung auch ist.
Am Ende der erwähnten Passage im Lukas-Evangelium stellt uns der Herr Jesus noch ein krasses Prinzip vor: „Was vor den Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott.“ Da muss man wirklich erstmal schlucken. Aber was bedeutet das jetzt ganz konkret in deinem und meinem praktischen Leben? Ist Arbeit etwas Schlechtes? Ganz und gar nicht! Der Mensch sollte immer arbeiten, schon seit er geschaffen wurde. Du arbeitest, weil Gott selbst der erste Arbeiter war und du in seinem Bilde geschaffen bist. Durch deine Arbeit und die Art und Weise, wie du deine Arbeit verrichtest, kannst du etwas von Gottes Gedanken zum Ausdruck bringen. So zum Beispiel, wenn du kreativ arbeitest – Gott selbst ist schließlich unendlich kreativ! Und es ist etwas Schönes, wenn du dich an dem Endprodukt deiner Arbeit erfreuen kannst.
Aber in unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten ganz schön was geändert: Arbeit hat eine stark sinnstiftende Rolle bekommen. Der Beruf vermittelt uns Lebenssinn. Wir werten auch verschiedene Tätigkeiten unterschiedlich, je nach ihrem Ansehen in der Gesellschaft. Das merkt man beispielsweise krass bei Frauen, die sich um ihre Kinder kümmern und deswegen hauptsächlich zu Hause eingespannt sind. Immer wieder werden sie von ihren Nachbarn oder ehemaligen Kollegen gefragt: „Und, wann gehst du wieder arbeiten?“ Als wäre die Arbeit zu Hause irgendwie weniger wert als die sogenannte „Karriere“. In der Bibel ist das alles nicht so gedacht. Arbeit ist total vielschichtig. Sie umfasst eben nicht nur die typischen Berufe mit ihren Aufstiegsmöglichkeiten, sondern auch die Tätigkeiten zu Hause in der Familie, den Einsatz in der christlichen Gemeinde, das Schneiden der Hecke im Garten des Nachbarn usw.
Übrigens: Bei Christus gehst du nie in den Ruhestand. Auch im 1000-jährigen Reich werden du und ich arbeiten, aber diese Tätigkeit wird eine große Freude sein. Die Mühsal, die der Sündenfall mit sich gebracht hat, ist dann Geschichte. Lass uns also jetzt schon auf die richtige Karriere ausgerichtet sein! Es ist uns ein großer Lohn vom Herrn selbst versprochen.
Eine letzte Bemerkung am Schluss: Das alles heißt überhaupt nicht, dass du am Arbeitsplatz nicht engagiert dein Bestes geben solltest. Und wer seine Arbeit zuverlässig macht, kommt meistens auch voran. Es liegt daher also absolut im Bereich des Möglichen, dass du in gehobener Position arbeitest und damit genau an dem Platz bist, an dem Gott dich haben möchte. Aber: Wenn du merkst, dass dein geistliches Leben unter deiner Arbeit leidet; wenn du keinen Hunger mehr nach Gottes Wort hast; wenn dir auffällt, dass dein Herz an deiner Karriere oder dem damit verbundenen Einkommen hängt, dann musst du das dringend im Gebet vor Gott überdenken – und umdenken!
Jim Elliott, ein Missionar des 20. Jahrhunderts, hat mal gesagt: „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“ Dieser Mann ist mit gerade mal 29 Jahren auf einer Missionsreise umgebracht worden. Nach menschlichen Maßstäben hat er ein kurzes und vergleichsweise erfolgloses Leben geführt – aber wie vollkommen anders fällt da wohl die Einschätzung unseres Gottes aus.
Also: Lass uns Vollgas geben für Christus, damit unsere „wahre“ Karriere im Reich Gottes stattfindet!
„Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde."
Phil 3,7–9a
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