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05 Nov 2026 • 5 min read

Der Sinn des Lebens

Stoffwechselst du noch oder lebst du schon?

  • Stefano
    Stefano

Stell dir mal ein Reh auf einer großen Wiese vor. Angestrengt schaut es zum Himmel hoch. Wenn es doch bloß wüsste, warum es auf dieser Erde ist. Wenn es doch nur wüsste, was der Sinn seiner Existenz ist! Warum ernährt es sich überhaupt und wozu setzt es Nachkommen in diese Welt? Schon lange wird das liebenswerte Geschöpf von diesen Fragen gequält und kann kaum noch schlafen. – Kommt dir dieses Setting komisch vor? Hoffentlich! Ich habe noch nie so ein Reh kennengelernt. So komplex Tiere auch geschaffen sind, die geistige Ebene zur Reflexion über die eigene Existenz haben sie nicht. Hingegen gibt es wohl unter uns Menschen kaum ein Thema, über das sich große Gelehrte so sehr den Kopf zerbrochen haben. Doch während sowohl von griechischen Intellektuellen in der Antike als auch von europäischen Denkern zwischen Renaissance und Moderne noch wilde Theorien aufgestellt und hitzige Debatten über diese Frage geführt wurden, ist man heute häufig abgestumpfter unterwegs. Da bestreitet man gerne, dass es überhaupt einen Sinn gibt – womit man sich im wahrsten Sinne des Wortes tierisch verhält – oder aber man begnügt sich damit, dass eben jeder für sich selbst seinen persönlichen Lebenssinn definieren oder konstruieren muss. Bei der offensichtlichen Orientierungslosigkeit und unbefriedigten Genusssucht unserer Generation müssen wir jedoch feststellen: Projekt gescheitert! Glücklicherweise dürfen wir als Christen einen Gott kennen, der uns nicht im Unklaren über unseren Lebenssinn lassen möchte. Und wenn wir diesen wunderbaren Sinn richtig vor Augen hätten, würden wir jeden Morgen fröhlich aus den Federn springen. Ein Versuch ist's wert, also wagen wir mal einen Blick ins Zentrum unserer Existenz.

Der Sinn deines Lebens hängt ganz eng mit deinem menschlichen Ursprung zusammen – du bist kein Zufallsprodukt, sondern von Gott gewollt, geliebt und mit einem bestimmten Ziel in diese Welt gestellt worden. Das gilt für jedes einzelne Individuum und geht damit zurück auf das erste Gebilde unserer Art, nämlich auf Adam. In der Schöpfungsgeschichte lesen wir, dass Gott den Menschen schuf, um Gemeinschaft mit ihm zu haben. Diese innige Gemeinschaft am Anfang unserer Zeit brach durch den Sündenfall weg und eine Wiederherstellung der Beziehung schien zunächst absolut hoffnungslos. Doch durch das Leben und Sterben unseres Herrn Jesus Christus für seine Geschöpfe ist jeder Gläubige in eine enge Vater-Kind-Beziehung zu dem ewigen Gott gekommen – womit Gott sich im Vergleich zur Gemeinschaft im Garten Eden gewissermaßen selbst übertroffen hat.

Diese enge Beziehung zu Gott hat zwei wunderbare Folgen: Zum einen bewirkt sie, dass dein Leben zur Ehre Gottes ist. Das bedeutet, dass man etwas von Gottes Schönheit an dir sehen kann. Zum anderen bewirkt sie, dass du Gottes Herrlichkeit sehen kannst – jetzt schon stückweise und zukünftig in Perfektion, wenn du in Ewigkeit bei ihm bist. In dem Begriff Beziehung steckt übrigens etwas ganz Wichtiges drin, was dein und mein christliches Leben prägen sollte: Gott hat nie erzwungenen Gehorsam von seinen Geschöpfen gefordert, sondern sich schon immer freudige Hingabe gewünscht. Gott möchte keine Roboter, die in militärischem Gleichschritt vorgefertigte Bahnen in einem Stadion ablaufen, sondern sucht nach Herzen, die sich aufrichtig an ihm erfreuen. Liebe erzeugt dabei eine Lebenskraft, die keine von außen auferlegte Religion jemals bewirken könnte!

Wenn ich so an mein eigenes Leben denke, kann ich diese intensive Freude an Gott aber leider nicht gerade als meinen Dauerzustand bezeichnen. Lass uns deshalb ab und an mal innehalten und uns selbst prüfen – lebe ich gerade „Sinn-voll“, in enger Gemeinschaft mit meinem Schöpfer, um mich an ihm zu erfreuen, oder existiere ich einfach so vor mich hin?

Die Beziehung zwischen Gott und Mensch ist in der Bibel auf eine geniale Weise illustriert. Da ist z.B. der sogenannte „verlorene Sohn“ im Lukas-Evangelium: Anfangs in einer gewissen Gemeinschaft mit dem Vater lebend, kappt er dann diese Beziehung und zieht mit dem vorzeitig ausgezahlten Erbe in der Welt herum, um mal richtig einen drauf zu machen. Als er nach dem persönlichen Bankrott in jeder Hinsicht schließlich wieder zu seinem Vater zurückkehrt, sagt dieser etwas Interessantes: „… dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden“ (Lukas 15,24). Als aufmerksamer Leser ist man irritiert. Menschlich betrachtet war der Sohn doch gar nicht tot, er war augenscheinlich recht lebendig in der Welt der kurzzeitigen Vergnügungen unterwegs gewesen. Aber Gottes Perspektive ist eine andere. Leben und Tod bedeuten für ihn in erster Linie gar nicht Beginn bzw. Ende einer Existenz. Leben bedeutet, eine funktionierende Beziehung mit Gott zu haben. Tod bedeutet dagegen Trennung von Gott. Ohne Gemeinschaft mit Gott ist der Mensch tot! Der Herr Jesus formuliert es sehr ähnlich: „Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Johannes 17,3). Der Ausdruck erkennen bedeutet im Grundtext nicht etwa, eine Person intellektuell zu verstehen. Vielmehr wird der Begriff u.a. benutzt, um die intensivste Form der Gemeinschaft zu beschreiben, nämlich die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau in der Ehe. Das irdische Vorbild, das Gott gegeben hat, darf uns also daran denken lassen, was für eine tiefe Liebesbeziehung der Schöpfer für seine Geschöpfe vorgesehen hat. Wenn das mal kein Grund ist, jeden Morgen putzmunter aufzustehen und echt sinnvoll durch den Tag zu gehen.

“Sucht mich und lebt” Amos 5,4

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