29 Nov 2026 • 6 min read
Warum lässt Gott Leid zu?
Ein Perspektivwechsel mit langfristiger Hoffnung
Stefano

Im Schnitt kommen jedes Jahr rund 80.000 Menschen durch Naturkatastrophen um. Der Krieg in Syrien hat bis 2020 mindestens 200.000 Tote gefordert. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr 2,5 Millionen Kinder an Hunger. Statistisch erkrankt jeder zweite Deutsche in seinem Leben an Krebs. Und selbst, wenn wir von all dem verschont bleiben – die „Overall-Todesrate“ von Mensch und Tier liegt bei gnadenlosen 100%. Wie schmerzhaft ist es dann, vor dem Grab eines geliebten Menschen zu stehen ... – mit Empfindungen, die sich nicht in Worte fassen lassen. Über der Szenerie schwebt ein großes Fragezeichen, das quälende Warum?
Der allmächtige Gott landet dann gerne auf der Anklagebank: „Gott, warum lässt du das zu? Wenn du doch Licht und Liebe bist, warum ist dann so viel Dunkelheit und Schmerz um mich herum? Hast du etwa die Kontrolle über alles verloren oder bist du doch so gut, wie die Christen es oft behaupten?“
Die Überlegung, warum es in dieser Welt so viel Leid gibt, wenn doch ein allmächtiger und liebender Gott die Kontrolle über alles hat, ist so berühmt, dass man ihr einen eigenen Namen gegeben hat: die Theodizee-Frage. Eine gute Nachricht vorab: Wir Menschen dürfen diese Frage stellen! Sie ist weitaus sinnvoller als die Alternative, die uns das naturalistische / evolutionistische Weltbild bietet. Richard Dawkins, ein berühmter amerikanischer Evolutionsbiologe und Atheist, äußerte sich folgendermaßen: „Das Universum kennt weder Design noch Absicht, sondern nichts als erbarmungslose Gleichgültigkeit.“ Das ist ja mal eine Ansicht mit Aussicht ... Ein Christ hat da eine ganz andere Perspektive: Er kennt den Designer und darf ihn ruhig nach seinen Absichten fragen. Doch wenn wir wirklich seine Antwort auf unsere Frage hören möchten, müssen wir ihm erst einmal zugestehen, dass er nicht auf die Anklagebank gehört. Er ist der Schöpfer, von dem wir Geschöpfe abhängig sind – nicht anders herum.
Wenn wir dann aufrichtig und fragend sein Wort lesen, finden wir eine überraschend realistische Beschreibung unserer Welt, inklusive Leid, Krankheit und Tod. Die Bibel verschweigt diese Dinge nicht. Und erklärt gleichzeitig, dass es nicht immer so war. In Genesis lesen wir, dass Gott bei der Erschaffung des Universums alle Dinge „sehr gut“ gemacht hat. Im Garten Eden gab es kein Leid, sondern ausschließlich freudige Gemeinschaft mit Gott. Doch kurze Zeit später verübte Kain den ersten Mord der Menschheitsgeschichte. Und ein paar Generationen danach geschah die erste „Naturkatastrophe“. Was war passiert? Die Bibel beschreibt, dass Gott dem Menschen die Wahl gelassen hatte, ob er mit oder ohne seinen Schöpfer leben wollte. Die Konsequenzen wurden ganz klar angekündigt: Eine Entscheidung gegen die höchste Autorität würde tödlich enden. Doch der Mensch misstraute Gott und vertraute Satan. Er sagte quasi: „Ich möchte mein eigenes Ding machen! Ich möchte nicht, dass ein Gott mir vorgibt, wie ich zu leben habe.“ So kam es zum Bruch zwischen Schöpfer und Geschöpf. Die Auswirkungen waren global: Nicht nur der Mikrokosmos um Adam herum, sondern die ganze, dem Management des Menschen übergebene Schöpfung musste von da an die Konsequenzen unserer Ignoranz gegenüber Gott tragen.
Vielleicht hilft dir ein Bild, um das Ganze zu veranschaulichen: Wenn du im Jahr 1945 den Kölner Dom besichtigt hättest, wäre dir eine große Ruine begegnet. Du hättest zwar an vielen Stellen die Grundzüge der genialen Architektur des ehemaligen Bauwerks erkennen können, wärst aber gleichzeitig über Berge von Trümmern gestolpert. Welcher intellektuell ernst zunehmende Tourist hätte gefragt: „Was für ein Vollidiot von Architekt hat bitte diesen Dom gebaut?“ Ein Crashkurs in deutscher Geschichte lehrt uns: Dieser Dom wurde niemals so gebaut. Er war ursprünglich perfekt designt, wurde aber leider durch menschliche Interaktion zerstört. Vom Prinzip her ist das gleiche mit Mensch und Schöpfung durch den Sündenfall passiert.
Der schlaue Kritiker schießt aber gleich hinterher: „Wenn Gott alles weiß und kann, warum hat er dem Menschen die Fähigkeit überlassen, so viele Grausamkeiten zu verüben?” Die Antwort ist einfach: Gott will keine Roboter, sondern bewusste Beziehungen mit seinen Geschöpfen. Eine Beziehung braucht Liebe, und Liebe funktioniert nicht ohne Freiwilligkeit. Freiwilligkeit braucht Freiheit, und Freiheit ist Potenzial, zum Guten wie zum Bösen. Gott ist quasi höflich: Wenn der Mensch ihn nicht will, überlässt Gott ihn sich selbst – mit allen Konsequenzen.
Doch der Schöpfer macht in der Bibel auch klar: Der Mensch hat nicht das letzte Wort! Der aktuelle Zustand der Welt ist befristet. Auf Leid und Zerstörung unter der Herrschaft des Menschen folgt das 1000-jährige Friedensreich unter der Herrschaft Christi. Wenn das Böse danach endgültig gerichtet sein wird, schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde – herrlich, gerecht, frei von jedem Leid und allein zur Ehre Gottes. Die Grundlage für diese wunderbare Zukunft hat er bereits durch das Erlösungswerk seines Sohnes geschaffen. Gott wird in jeder Hinsicht zu seinem Ziel kommen!
Und bis dahin? Deprimiert zu Hause einschließen und abwarten? Nein! Der Herr Jesus ruft uns auf, ein Licht in der Dunkelheit zu sein. Das Leid, das uns umgibt oder vielleicht auch selbst betrifft, kann uns niederdrücken. Doch wir Christen haben eine doppelte Perspektive: Göttlichen Beistand im Leid und Hoffnung auf eine Zukunft ohne Leid. Und wenn wir seine Wege auch oft nicht begreifen – wir dürfen darin lernen, ihm immer mehr zu vertrauen! Als Christ hast du die wunderbare Zusage, dass alles, was du erlebst, das Potential hat, dich Christus ähnlicher zu machen (Römer 8,28.29).
Und zu guter Letzt sind Leid und Schmerz auch Gottes Megaphon für eine ungläubige Welt. Grenzsituationen fordern den Menschen deutlich auf, zu dem Unbegrenzten umzukehren. Nicht selten wurden gottlose Augen gerade in Notsituationen dafür geöffnet, Christus als ihren Retter anzunehmen. Weise daher deine Mitmenschen auf den hin, der den Tod überwunden hat! Durch den Tod und die Auferstehung Christi gibt es eine begründete Hoffnung, die nicht sterben kann, und damit ewigen Trost in jedem Leid.
„Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Geburtswehen liegt bis jetzt.“ Römer 8,22
„Deine Bosheit züchtigt dich, und deine Abtrünnigkeiten strafen dich; so erkenne und sieh, dass es schlimm und bitter ist, dass du den HERR, deinen Gott, verlässt und dass meine Furcht nicht bei dir ist, spricht der Herr, der HERR der Heerscharen.“ Jeremia 2,19
„Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Offenbarung 21,3.4
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